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PS: Der Mensch muss Denken

Diesen Satz habe ich neulich auf einer Pinnwand gelesen und eben dieser hat mich auch zu dem heuten Posting motiviert.

Nun, wir leben im Europa des 21. Jahrhunderts – einem Goldenen Jahrhundert und einer Gesellschaft die längst an ihre Grenzen gestoßen ist und diese überschritten hat. Nahezu gibt es nichtsmehr, was es nicht gibt und was Jahrhunderte verpöhnt war ist Normalität. Die Menschen scheinen so frei und sich selbstbestimmend wie noch nie zu sein – allerdings trügt mMn dieser Schein.

Ich stelle immer öfter fest, dass meine Mitmenschen verstockter, verschlossener, intoleranter und fast schon militantisch werden.
Jeder schreit er sei der Ursprung des Anti-Mainstreams, ein Dichter und Denker, ein Einzelkämpfer und Idealist, der perfekte Mensch, das Über-Ich in natura selbst, ohne Fehler, losgelöst vom Abschaum – seine Meinung zählt und nur die ist wichtig und richtig. Nur, ist das so? Lösen wir uns nicht momentan vollkommen vom lang erkämpften Ansatz des Absolutismus?

Grundsätzlich werden fremde Meinungen kaum noch toleriert, sie finden null Anklang, dabei muss doch noch nichtmal Akzeptanz erwartet werden. Das Volk schreit ab und zu auf, spricht von Ausländerhass und Ähnlichem, aber das eigentliche Problem – der Kern selbst – wird verkannt. Wie kann eine Gesellschaft tolerant sein anderen Kulturen gegenüber, wenn es grundsätzlich keine fremden Meinungen von wem auch immer gelten oder ausgesprochen werden dürfen?

Menschen haben unterschiedliche Meinungen und teils tief verankerte Standpunkte, geprägt durch Erfahrungen, ihr soziales Umfeld, ihren Ursprung, ihre Erziehung und Faktoren wie Zugriff auf diverse Medien.
Niemand wird diese ändern – auch wenn dieser Jemand die Wände hochrennt und man wird immer Menschen begegnen, mit denen man nicht kann und die umgekehrt auch nicht jedem können. Auch ist nicht jede Entscheidung, die man aufgrund einer gefassten Meinung trifft, richtig. Ob im Beruf oder Privat – that’s life.

Klar ist auch, dass niemand großartige Lust hat, sich die besten und tollsten Argumente anzuhören, wenn er dabei immer wieder verbal die Fresse poliert bekommt – so funktioniert keine Diskussion, keine Meinungbildung oder -erweiterung. Hätte man immer stumpf nur gesehen, was man sehen wollte und nur gemacht was Einzele für einzigrichtig erachtet hätten, hätten wir weder Forschung noch Fortschritt noch sonst irgendwas. So funktioniert das kleinste Gefüge „Dialog“ nicht und so funktioniert auch keine Gesellschaft. Wie denn auch?

Meinungen sind für Dich selbst höchstens richtig oder falsch, aber für jedes Individuum für sich selbst richtig – genauso wie deine für andere von grund auf falsch sind. Wer Meinungen vertritt sollte auch das nötige Rückrat besitzen über die Meinungen der anderen zu stehn und die nötige Reife sich auf fremde Argumente einzulassen und auch mal sagen zu können „So habe ich das nie gesehn, das wusste ich so nicht .. da sieht die Sache natürlich anders aus.“ – Die Welt ist nicht Schwarz und Weiß ohne Graustufen. Wir alle wachsen auch an Erfahrungen anderer, wenn wir uns selbst eingestehen andere Meinungen zu tolerieren und auch zu akzeptieren, wenn wir merken, dass wir zwar nicht auf dem Holzweg sind, es aber doch noch mehr gibt, das wir nicht beachtet haben.

Grundsätzliche Gesprächsregeln werden in der Praxis nicht beachtet, jeder pokert sich höher, jeder hat das letzte Wort .. und wo Kant noch von einem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit sprach, sehe ich sich die Massen genau da wieder hinwärts bewegen.

Dadurch, dass wir uns zunehmend den Meinungen anderer komplett verschließen, verstümmeln wir unsre Fähigkeit zu Denken und damit wohl des Menschen höchsten Gutes.
Wie wichtig dieses Gut ist, sieht man doch sogar schon an seiner Verankerung im Gesetz im Einklang mit der unantastbaren Menschenwürde. Der Gesetzgeber möchte uns Raum geben zu Denken, uns fortzubilden, und zu entwickeln. Warum tun wir es also nicht auch?

Wir führen uns selbst in einen Zustand der Selbstverdummung zurück – mit dem Unterschied, dass es kaum noch Menschen gibt, die genau daraus entfliehen, herausflüchten und sich selbst erweitern wollen. Unsre Spezies verkapselt sich und fühlt sich in diesem Zustand mehr als wohl. Gleichzeitig werden Ansichten von Kirchen und Gläubigen belächelt – zu verklemmt, zu konservativ – aber mit unsrem Geist tun wir nicht’s anderes. Vielleicht brauch der Mensch auch gerade das – ein kleines Fässchen Sicherheit.. aber auf dauer führt nunmal alles was extrem ist zur Katastrophe oder zum Stillstand.

Faktisch kann es doch nicht sein, dass Politiker, die Politiker geworden sind, weil sie Ideale hatten, ihre Meinungen (und zwar höchst produktive und interessante Denkansätze) unterdrücken müssen um gewählt zu werden – 2 Wahlperioden nichts weiteres tun als dem großen Strom zu folgen, damit sie abgesichert sind und ihre Rente sicher ist, aber abgewählt werden, sobald sie für ihre Ideale, ihre Ziele, die auch bedeuten müssten, dass die Bürger ihren Po in die Höhe bekommen und ihren Lebenswandel überdenken, Ziele die erreichbar sind und wirklich etwas ändern könnten, eintreten. Wo entspricht das doch der Idee der Menschenrechte, des Grundgesetzes und unsrer Verfassung – auf die man sich beruft?

Warum beschränkt sich unsre Gesellschaft, jetzt wo sie alle Freiheiten ohne großartige Sanktionen und Verbote, genießen kann derartig selbst?

Der Mensch muss denken und es soll auch denken – dann bitte tut es auch und macht euch nicht selbst mundtot.

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