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Wie wird man eigentlich Pilot?

Immer wieder werde ich gefragt, wie man eigentlich Pilot wird oder wie man sich auf die Tests für die Ausbildung zu Berufspiloten am besten vorbereitet.

Ganz trivial ist die Frage nicht, denn rein theoretisch, darf sich jeder mit gültiger Fluglizenz Pilot nennen. Wie man Berufspilot wird hatte ich für Lufthansa im Speziellen mal zusammen gestellt. Aktuell finden war keine Schulungen statt, was sich allerdings wieder ändern dürfte. Im Grunde läuft das Prozedere aber bei jeder Flugschule ähnlich ab.

Bewerbungsverfahren und die Ausbildung zum Verkehrspiloten bei Lufthansa

Die Ausbildung bei der Lufthansa beginnt – wie viele Berufe heute – mit der Bewerbung auf der selbsterklärenden Webseite. Hat man sich an Hand der dort angegebenen Voraussetzungen überzeugt, dass man grundsätzlich ins Profil passt, bekommt man nach der Bewerbung über die Seite nach einigen Wochen eine Einladung zum Einstellungstest.
Dieser findet in zwei Stufen statt: In der ersten Stufe, der BU, werden Fähigkeiten getestet. Hier geht es um räumliches Vorstellungsvermögen, Kopfrechnen, Kurzzeitgedächtnis und Reaktionsfähigkeit. Nach dieser ersten Stufe, die sich über zwei Tage erstreckt, geht es wieder zurück nach Hause und man erhält dann – hoffentlich – die Einladung für die zweite Stufe. Diese Stufe, die FQ, hat eine eher psychologische Ausrichtung. Hier wird im Gespräch mit Psychologen und in Gruppenspielen geprüft, ob man vom Typ her ins Profil passt und ob man genügend Stressresistenz mitbringt. Im Gegensatz zur BU erfährt man nach jeder Einheit, ob man weiter ist oder gehen muss.
Am Ende der FQ stehen eine Übung im Flugsimulator und ein Interview mit der Auswahlkommission, in der letztendlich über die Zulassung entschieden wird.

Für diese Einstellungstests bieten mehrere Anbieter einen kommerziellen und recht teuren Vorbereitungskurs an. Ob diese etwas bringen, ist umstritten. Das DLR – wo der Test durchgeführt wird – empfiehlt für die Vorbereitung auf die BU die eigenen Trainingseinheiten, die man im Rahmen einer Übungssoftware gestellt bekommt.

Wie werde ich Pilot
Der nächste Schritt ins Cockpit ist das Medical, die medizinische Untersuchung. Hier wird man auf körperliche Gesundheit durchgecheckt. Dieser Check wiederholt sich jedes Jahr, allerdings ist die Erstuntersuchung etwas umfangreicher.

Hat man alle Stufen erfolgreich durchschritten, hat man die Wahl entweder in knapp 2 Jahren eine reine Ausbildung zu absolvieren oder aber in 5 Jahren die Ausbildung mit einem Kombi-Studium (Luftfahrtsystemtechnik – neben der Flugschule an der HS Bremen) zu verbinden (so beispielsweise auch bei InterCockpit angeboten).

Die praktische Flugausbildung findet in Phoenix, Arizona statt und dauert mittlerweile knapp 5 Monate. Man lernt dort zunächst im Simulator, später mit Einmotorigen Maschinen (Beech Bonanza) zu fliegen und erwirbt die PPL (Privat Pilot Lincence).

Nach der Ausbildung findet in Deutschland noch ein Training auf einem Business-Jet (Cheyenne / Citation -Phase) statt, bevor man auf sein letztliches Modell geschult wird (Boeing 737 oder Airbus A-320).

Nach einem Landetraining ohne Passagiere und einer Phase, in der man zu Dritt im Cockpit fliegt, wird man dann zum FO (First Officer aka „Copilot“, der übrigens die gleichen Tätigkeiten, wie ein Kapitän wahrnimmt, also auch „richtig fliegt“. Dem Kapitän selbst unterliegt lediglich eine gewisse, privilegierende Weisungsbefugnis beispielsweise und vA bei Komplikationen).

Tipps zum Test

Die Vorbereitung auf den Einstellungstest ist mit Hilfe der Software in 3 Monaten und kontinuierlichem Arbeiten gut zu schaffen. Beim Test selbst einen ruhigen Kopf bewahren, immer ehrlich antworten – also nicht vorher Antworten auswendig lernen, oder das sagen, was man denkt, dass das Komitee hören möchte.

Es entspannt zusätzlich, wenn man die Ausbildung nicht als „letzte Chance“ versteht, sondern auch Alternativen im Hinterkopf hat – es also nicht „zu verbissen möchte“.

Schlechte schulische Leistungen sind kein Ausschlussgrund, werden aber unter Umständen auch angesprochen und sollten auch ehrlich begründet werden.

Am Ende der 2. Stufe muss man sich dann entscheiden, ob man die Ausbildung machen würde oder nicht, dh. es ist ratsam sich vorher Gedanken darüber zu machen, ob man es wirklich möchte und nicht erst im Interview zu überlegen, was man jetzt eigentlich will.

Falls man in eine (auch gewollt) stressige Situation kommt, ruhig und gelassen bleiben und nach einer Lösung suchen.

In den Gruppenspielen geht es auch nicht um ein Gewinnen oder Verlieren. Dh auch wenn man im Ergebnis des Spieles bzgl der Aufgabe nicht als Gewinner da steht, ist das zweitrangig. Es geht um Konfliktlösungs – und Teamfähigkeit und nicht darum, andere auszuknocken, sondern diese eben mit einzubinden.

Sonstiges

Die Ausbildung selbst kostete bisher knapp 60 ooo €, die von Lufthansa zunächst vorfinanziert werden und die man dann unproblematisch in Raten nach der Einstellung via Gehalt zurück zahlen kann. Es macht keinen Sinn einen Kredit aufzunehmen, da LH die besten Konditionen bietet.

In Phoenix wohnt man in einem Wohnheim direkt am Ausbildungsstandort (ATCA – Airline Trainings Center Arizona) am Goodyear Airport, man muss sich also keine Wohnung suchen und muss lediglich für Verpflegung, etwaiges Auto & Co aufkommen. Auch Gäste können dort günstig untergebracht werden.

Tipps zu Bremen

Bremen hat viele schöne Ecken, lohnenswert zu Besuchen ist das Viertel (Studentenviertel), Schnoor und die Innenstadt.

Leute kann man im Rahmen der Barabende an der Flugschule, aber auch in vielen netten Bars und Discotheken kennenlernen, zB die „Lila Eule“ oder das „Modernes“, die hier recht bekannt ist.

Die Verkehrsanbindung ist recht ausgebaut, auch spät abends, so dass man bei der Wohnungssuche nicht großartig eingeschränkt ist – je nachdem, ob man das Kombi-Studium oder pur eine Ausbildung macht, lohnt es sich allerdings entweder Richtung Flughafen (Flugschule) zu ziehen, oder in Nähe der HS.

Wer bei einem Besuch oder im Rahmen der Wohnungsbesichtigung lecker essen gehen möchte, kann dies beispielsweise in der Osteria direkt an der Schlachte oder im Tart Ort, einem wunderhübschen, romantischen Flammkuchentempel im Viertel tun.

Privatfliegen

Wer einfach nur in die Luft kommen möchte, flexibel reisen will oder den sportlichen Anreiz sucht, kann privat natürlich auch eine Fluglizenz erwerben (Paargleiter, Drachen und Co lass ich mal außen vor). Die Möglichkeiten sind hier vielfältig und auch für Teenies lässt sich der Traum vom Fliegen verwirklichen. Eine Segelfluglizenz (GPL) darf  beispielsweise bereits im zarten Alter von 14 begonnen werden. Positiv ist, dass die Kosten dabei auch recht überschaubar sind. Dazu gibt es die Möglichkeit an Fliegerlagern oder Wettbewerben teilzunehmen.

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Wer lieber mit Motor fliegen will, muss nicht zwangsläufig eine Privatpilotenlizenz (PPL) erwerben. Auch hier gibt es günstigere Alternativen, nämlich Motorsegler (sieht aus wie ein Sportflugzeug, kann auch ohne Motor fliegen) oder Ultraleicht. Auf einen Segelflugschein, lässt sich die Berechtigung Motorsegler fliegen zu dürfen quasi „aufstocken“, da es sich dabei um ein Rating handelt, das entweder in eine Segelfluglizenz oder eine PPL eingetragen wird. Die Ausbildung kann natürlich rein auf dem Motorsegler erfolgen. Es lohnt sich aber sich darüber Gedanken zu machen, wo man letztlich hin will (Urlaub, Spazierenfliegen, Wettbewerbe, Kunstflug, Familie mitnehmen, Wetter(un)abhängigkeit, Tag-/Nachtflug etc.). Geht man die „PPL Richtung“ kann man durch eine Ausbildung zunächst mit einem Motorsegler erheblich kosten sparen, da Flugstunden meist die meisten kosten produzieren und dann die Berechtigung für Sportflugzeuge erwerben. Muss man natürlich nicht.

Das Schöne am Fliegen ist, dass man auch ohne Lizenz alleine fliegen darf in der Ausbildung. Man kann sich demnach für den Schein Zeit lassen und muss auch nicht innerhalb einer gewissen Zeit erhebliche Kosten „Erfliegen“.

Es empfiehlt sich dem nächstgelegenen Flugplatz einen Besuch abzustatten. Neben Gastflügen kann man dort auch erfragen, ob privat vor Ort ausgebildet wird und was die einzelnen Stunden kosten. Auch hierbei gibt es ein Medical, das allerdings nicht ganz so umfangreich ist, wie das der kommerziellen Fliegerei.

Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick geben, wie man denn nun so einen Flugschein kriegt.

xx -S

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